Kaltes Fleisch
Ein Roman über Männer(Edition Hans Erpf, Bern; TB bei Ullstein) Kranke Selbstüberschätzung mit fatalen Folgen.
Baltimore Harrison, Wissenschaftler, Egozentriker und Tyrann leitet eine kanadische Arktisexpedition auf der Inselgruppe Spitzbergen. Die extremen Bedingungen und die arktische Einsamkeit treiben ihn immer mehr in die wahnhafte Hybris, bis er aus kranker Selbstüberschätzung die Schutzhütte der vier Männer in Brand setzt, - 400 Kilometer von der Zivilisation entfernt. Wut, Hunger, KannibalismusUnter extremsten Bedingungen - Packeis, Gletscher, Schneestürme, Eisbärenangriffe und weder Proviant noch Munition - machen die Männer sich ohne Vorräte auf den unendlich quälenden Rückmarsch ins Insel-Dorf Longyearbyen am Eisfjord. Aus Wut, aber auch aus Hunger, erschlägt David Quilpie den verhassten Harrison von hinten. Doch werden sie ihn damit nicht los, denn in einem Akt von Kannibalismus wird er nun zu ihrem einzigen Proviantvorrat. John Brady, der bärbeißige und stille, an seinem eigenen Lebensweg verzweifelte Einzelgänger, übernimmt im Lauf des Todesmarsches mehr und mehr die Führungsrolle der Gruppe, um wenigstens am Ende seines Lebens nicht mehr vor Verantwortung zu fliehen. Ihm wird bewusst, wie schäbig er vor Jahren seine Frau Julie verlassen hat, und er erschrickt darüber, dass er Mühe hat, sich der Namen seiner beiden Kinder zu erinnern. Wahnsinn im EisVor Brady´s Augen verschwindet Quilpie in einer Gletscherspalte. Ben Maruzzo schließlich, der jüngste und sensibelste der Gruppe, wird während des Marsches wahnsinnig und damit immer kindischer und unberechenbarer. Nur der tote Harrison, den sie die ganze Strecke über auf seinem Schlitten mitziehen, bleibt unbeeindruckt. Unter wahnsinnigen und extremen Abenteuern erreichen die beiden Überlebenden mit ihrem menschlichen Proviant am Ende das Dorf. Der Gouverneur versucht eine Vernehmung, während derer es zu einer gespenstisch-seherischen Szene zwischen dem in sich gebrochenen Brady und dem völlig wahnhaften Maruzzo kommt, der den endgültigen Sieg des Eises über die Welt voraussagt. Einen Tag später findet man ihn erhängt an seinem Fensterkreuz. Nur ein einziger Überlebender!Brady wird als einziger Überlebender entlassen und kehrt nach Kanada zurück. Im lauten und grellen Vancouver verbringt er die erste Nacht im Hotel und ist einsamer als vorher im Packeis. Schließlich kehrt er zurück nach Churchill / Hudson Bay, in sein Forschungsinstitut. Fast wie an einer Schnur gezogen, zieht es ihn zu seinem früheren Haus. Seine Frau Julie öffnet ihm eisig, die Tochter ignoriert ihn kalt. Brady und Julie sitzen sich gegenüber. Wie es werden wird, ist unklar. Aber etwas wie ein Rest an Hoffnung wird erkennbar.
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